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Systematische, gestufte Berufsorientierung

Das Berufsorientierungskonzept der Anton-Seitz-Mittelschule

Verfasser: Dr. Eduard Gradl, von 2009 - 2012 Schulleiter der Anton-Seitz-Mittelschule

hier veröffentlicht: 2011

 

1. Konzeption / Projektgedanke

1.1 Schulische Rahmenbedingungen

Die Anton-Seitz-Mittelschule ist eine durchgängig dreizügige Mittelschule mit im Schuljahr 2010/11 ca. 450 Schülern. Seit 2009 arbeitet das Kollegium der Schule intensiv an der Ausprägung eines attraktiven Mittelschulprofils. Dementsprechend bietet die Schule ihren Schülern neben den Regelklassen einen M-Zug, alle drei berufsorientierenden Zweige Technik, Wirtschaft und Soziales, ein Konzept zur individuellen, modularen Förderung, offene und gebundene Ganztagsangebote, eine ausgestaltete Kooperation mit der Berufsschule Roth, der regionalen Wirtschaft und der Arbeitsagentur.

Die Raum- und Sachausstattung ist dank der Stadt Roth gut.

Zusätzlich zum eigentlichen Kollegium hat die Schule eine Schulsozialarbeiterin (Simone Aechtner) und seit 2010 auch eine Berufseinstiegsbegleiterin (Sylvia Sandner) aus der Initiative „Anschluss und Abschluss – Bildungsketten bis zum Ausbildungsabschluss“.

Seit dem Schuljahr 2010/11 bildet die Anton-Seitz-Mittelschule zusammen mit den Schulen in Abenberg, Büchenbach, Georgensgmünd und Spalt den „Mittelschulverbund - Rezat / Roth“.

 

1.2. Handlungsbedarf

Obwohl das Kollegium beständig, engagiert und motiviert arbeitete, musste leider in den letzten Jahren festgestellt werden, dass ca. 30% der Abschlussschüler keine Ausbildungsstelle fanden oder an eine weiterführende Schule wechseln konnten.

Diese Situation ist für jeden Pädagogen, dem seine Schüler am Herzen liegen, nicht hinnehmbar. Letztendlich ist dies aber auch die entscheidende Frage für die Weiterentwicklung der Haupt- zur Mittelschule, denn nur wenn eine Schule für einen Platz im Leben vorbereitet und qualifiziert, hat sie eine Existenzberechtigung und ist für ihre Schüler auch attraktiv.

Was den Handlungsbedarf für alle Beteiligten besonders deutlich machte, wurde in Gesprächen im regionalen Arbeitskreis SCHULEWIRTSCHAFT deutlich. Eigentlich gibt es in und um Roth offene Ausbildungsstellen, die nicht besetzt werden können.

In mehreren Kollegiumssitzungen wurde daran gearbeitet, wie dieser Widerspruch zwischen Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz einerseits und offenen Ausbildungsstellen andererseits angegangen werden kann. Die bereits laufenden Maßnahmen zur Berufsorientierung wurden zusammengetragen und es wurde überlegt, was man denn noch tun sollte, um die Situation zu verbessern.

Es gab aber auch kritische Stimmen, die sagten, dass es wohl nicht sinnvoll ist, einfach noch weitere Aktionen und Projekte hinzuzufügen. Ein unkoordinierter BO-Aktionismus, unter dem schlimmstenfalls sogar der reguläre Unterricht leidet, darf nicht aufkommen.

 

1.3 Zielsetzung

Es sei an dieser Stelle ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die inhaltliche Ausprägung des Mittelschulprofils für unser BO-Konzept ein maßgeblicher Impulsgeber war und ist. Das Angebot der drei berufsorientierenden Zweige Technik, Wirtschaft und Soziales, die ausgestaltete Kooperation mit einer Berufsschule, der regionalen Wirtschaft und der Arbeitsagentur galt es regional für unsere Schüler umzusetzen. Dass die Berufsorientierung ein positives Alleinstellungsmerkmal der Mittelschule ist, wurde allen Beteiligten deutlich und verstärkte die Motivation, sich in diesem Bereich zu engagieren.

Für die Umsetzung eines letztendlich erfolgreichen Berufsorientierungskonzepts ist es notwendig, jede einzelne bereits angebotene BO-Maßnahme auf ihre Sinnhaftigkeit hin abzuprüfen. Falls notwendige Aspekte noch nicht abgedeckt sind, gilt es geeignete Maßnahmen zu identifizieren und in das schulische Angebot zu integrieren. Da eine nachhaltige Berufsorientierung langfristig angelegt sein muss, ist es erforderlich, die Einzelmaßnahmen sinnvoll und aufeinander aufbauend den einzelnen Jahrgangsstufen zuzuordnen.

Ein wesentliches Kriterium für die Auswahl und Ausgestaltung der BO-Maßnahmen ist die Akzeptanz und die Zuerkennung von Sinnhaftigkeit in der regionalen Wirtschaft. Dementsprechend ist der ständige Abgleich des BO-Konzepts mit den potentiellen Ausbildungsbetrieben und weiterführenden Schulen eine absolute Notwendigkeit. Dieser ständige Dialog zwischen Schule und Wirtschaft hat auch im Hinblick auf die Evaluation eine besondere Bedeutung, denn BO-Maßnahmen die von Seiten der Wirtschaft als nicht sinnvoll angesehen werden, sind umgehend in Frage zu stellen.

Dementsprechend ist in den Sitzungen des Arbeitskreis SCHULEWIRTSCHAFT Roth-Schwabach und im MAP-Projekt (siehe unten) unser BO-Konzept und seine Weiterentwicklung ein Thema, an dem im fortlaufend in enger Zusammenwirkung mit anderen Schulen, Unternehmen und Organisationen gearbeitet wird.

 

1.4 Externe Projektbegleitung

Durch Vermittlung des staatlichen Schulamtes Roth-Schwabach (Rosemarie Kohnen, Schulamtsdirektorin u. Fachliche Leiterin) erhielt die Anton-Seitz-Mittelschule die Gelegenheit an dem von der Herrmann Gutmann Stiftung (Angela Novotny, Vorstandsvorsitzende) geförderten Projekt „MAP“ = „Mittelschulen - Arbeitswelt - Partnerschaft“ teilzunehmen.

Das Projekt „MAP Mittelschulen - Arbeitswelt - Partnerschaft fokussiert auf die zwei folgenden Themen:

  • Initiieren, Begleiten und Etablieren von Partnerschaften zwischen Mittelschulen und Unternehmen / Organisationen und
  • Unterstützen von Schulentwicklungen mittels Managementmethoden und interner Selbst-Evaluation (Messen, Bewerten, Überprüfen)

Mit den genannten zwei Fokussierungen greift das Projekt zwei Kernelemente aktueller Diskussionen am Übergang Schule – Beruf auf:

  1. Die zu verstärkende Vernetzung der Zusammenarbeit zwischen Mittelschulen und Unternehmen und
  2. die Professionalisierung der Organisationsstrukturen der Mittelschulen.

Eine dauerhafte Zusammenarbeit kann nur erfolgreich sein kann, wenn die notwendigen Organisationsstrukturen geschaffen und gepflegt werden. Schritte in diese Richtung wurden und werden von den am Projekt beteiligten Schulen und Unternehmen durchgeführt. (z.B. Kooperationsaktivitäten, Berufswahlmatrix, Berufsparcours)

Das MAP-Projekt möchte für die Schüler/innen der Mittelschulen Lebenssinn, Eigeninitiative und Motivation vermitteln und sie auf das Arbeitsleben erfolgreich vorbereiten. Für die beteiligten Unternehmen ist es eine große Chance geeignete Nachwuchskräfte heran zu führen und ihrer sozialen Verantwortung in der Region gerecht zu werden. Für die Mittelschulen ermöglicht das Projekt zum einen die begleitete Weiterentwicklung ihrer Organisationsqualität und zum anderen die stärkere Verzahnung der Unterrichtsinhalte und -projekte mit der Arbeitswelt. Während des Projektes sollen die Schüler/innen der unternehmerischen Arbeitswelt in unterschiedlichen Fächern begegnen.

Die über das Projekt MAP eingebrachte Außensicht war für die unter dem Punkt 1.3 dargestellte Zielsetzung sehr hilfreich. Im Rahmen des intensivierten Austausch mit anderen Mittelschulen und Unternehmen im Rahmen des MAP-Projekts haben dazu geführt, dass die BO-Maßnahmen (Fahrplan / Matrix) weiter auf die Bedürfnisse der projektbeteiligten Schulen und Unternehmen angepasst werden konnten. So können nun z.B. Bewerbungsphasen in den Unternehmen und Schulen regional aufeinander abgestimmt werden, durch direkte Kontakte offene Ausbildungstellen auf “kurzem Wege” unkompliziert vermittelt werden und langfristige enge Kooperationen zwischen Schulen und Unternehmen regional übergreifend etabliert werden, sowie die Zusammenarbeit mit den außerschulischen Partnern ausgebaut werden.

 

1.5. Externe Partner

Bei Maßnahmen im Bereich der Berufsorientierung ist die Zusammenarbeit und ständige Abstimmung mit externen Partnern geboten und letztendlich unerlässlich. Der Übergang Schule - Beruf kann nur gelingen, wenn die Schule die in der Wirtschaft verlangten Kenntnisse und Schlüsselqualifikationen vermittelt.

Aber auch für Ausbildungsbetriebe ist eine frühzeitige und langfristige Zusammenarbeit mit Schulen von Vorteil weil sie ihre potentiellen Auszubildenden vertieft kennenlernen, begleiten und dann bei passender Eignung für den Betrieb gewinnen können.

 

1.5.1 Der Arbeitskreis SCHULEWIRTSCHAFT Roth-Schwabach

Für unsere Schule, und eigentlich für die ganze Region, kommt hierbei dem Arbeitskreis SCHULEWIRTSCHAFT Roth-Schwabach eine besondere Bedeutung zu. Er ist unter dem Dach und auch mit ständiger Unterstützung der Unternehmerfabrik Roth (Karl Scheuerlein, Geschäftsführer / Isolde Krahle, Sekretariat und Projektmanagement) organisiert. Den Vorsitz für die Unternehmerseite hat seit 2010 Herr Wolfgang Lösch, Geschäftsführer Leoni Kabel GmbH und für die Schulseite Herr Dr. Eduard Gradl, Rektor der Anton-Seitz-Schule.

Der Arbeitskreis SCHULEWIRTSCHAFT bietet eine Plattform für Gespräche und Kontakte zu einer Vielzahl von außerschulischen Institutionen und Entscheidungsträgern.

Insbesondere genannt seien:

  • Agentur für Arbeit Weißenburg
    (Renata Häublein, Wilhelmine Meyer, Gerhard Durst)
  • Dr. Mehler-Schule, Georgensgmünd (Gabriele Hufnagel)
  • Gymnasium, Roth (Heinrich Krengel)
  • IHK-Gremium Roth-Hilpoltstein (Norbert Bickel; Joachim von Schlenk)
  • Industrie und Handelskammer Nürnberg (Udo Göttemann)
  • Kreishandwerkerschaft Mittelfranken-Süd (Sebastian Dörr)
  • Realschule Schwabach (Reinhard Seifert)
  • SCHULEWIRTSCHAFT-Experte (Peter Maier)
  • Staatliche Berufsschule Roth (Michael Greiner)
  • Staatliches Schulamt Roth-Schwabach (Rosemarie Kohnen)
  • Wirtschaftsförderung Stadt Schwabach (Kim Herzig)
  • Berufs-/Wirtschaftsschule, Schwabach (Peter Birle)

 

1.5.2 Staatliche Berufsschule Roth / Schwabach

Die im Mittelschulkonzept enthaltene ausgestaltete Kooperation mit einer Berufsschule wird im Schulamtsbezirk Roth-Schwabach seit Jahren mit der Staatlichen Berufsschule Roth und der Staatlichen Berufsschule Schwabach gepflegt.

Besonders die Rother Berufsschule unter Leitung von Michael Greiner übernimmt bei verschiedenen HUBIK-Aktivitäten immer wieder eine Vorreiterrolle.

Es gibt die gegenseitige Hospitation von Lehrkräften, den Berufsorientierungstag für Mittelschüler und die Zusammenarbeit bei Fortbildungsveranstaltungen. Eine besondere Form der Zusammenarbeit ist durch den Austausch von Lehrerstunden möglich. Zwei Lehrkräfte aus dem Stundenpool des staatlichen Schulamtes Roth-Schwabach (Rosemarie Kohnen, Schulamtsdirektorin u. Fachliche Leiterin / Karlheinz Pfahler, Schulrat) unterrichten acht Stunden an der Berufsschule. Dafür können Fachlehrer der BS-Roth für die Mittelschulen Blockveranstaltungen mit drei oder fünf Nachmittagen zu verschiedenen Berufsbildern in den Fachwerkstätten der Berufsschule anbieten.

 

1.5.3 Agentur für Arbeit - Weißenburg

Für die Berufsberatung über die Agentur für Arbeit - Weißenburg ist an unserer Schule Herr Gruber als Berufsberater tätig. Er hat einen festen Turnus, in dem er im Rahmen verschiedener BO-Maßnahmen ganze Klassen informiert oder Schüler in Einzelgesprächen individuell betreut.

Die Agentur für Arbeit (Wilhelmine Meyer) unterstützt immer wieder Einzelprojekte zur Berufsorientierung mit finanziellen Mitteln zur vertieften Berufsorientierung. Diese wurden mit Mitteln der Regierung von Mittelfranken (Wolfgang Schwamborn, Ltd. RSchD) aus „Praxis an Hauptschulen“ ergänzt, so dass beispielsweise im Schuljahr 2010/11 ein BO-Projekt zur „Holztechnik“, ein BO-Projekt zu den „grünen Berufen“ und ein „Berufeparcours“ durchgeführt werden konnte.

Dieser, im Oktober 2010 erstmals angebotene Berufeparcours, wurde erst durch eine Mischfinanzierung von Seiten der Regierung von Mittelfranken, der Arbeitsagentur und der Hermann Gutmann Stiftung möglich.

 

1.5.4 Seniorenteam – „Jobcasting“

Viele unserer Schüler nehmen die Angebote eines in Roth sehr aktiven Seniorenteams unter Leitung von Herrn Peter Gieritz wahr. Die Senior-Unternehmer helfen, rein ehrenamtlich, im Rahmen eines „Jobcastings“ bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz, beim Schreiben von maßgeschneiderten Bewerbungen, beim Erstellen von aussagefähigen Lebensläufen, beim Üben von Vorstellungsgesprächen, mit Hinweisen für gutes Benehmen und bei der Suche nach Praktikumsstellen.

 

1.5.5 Weitere externe Kontakte

Natürlich gibt es über die vorausgehend explizit aufgeführten außerschulischen Ansprechpartner eine Vielzahl weiter Kontakte zu Ausbildungsbetrieben, Behördenvertretern und Kommunalpolitikern. Erwähnt sei aber doch der gute Kontakt zur Firma LEONI (Wolfgang Lösch, Geschäftsführer / Alexander Gräf, Personalleiter) der mittlerweile das Niveau einer Partnerfirma für unsere Schule erreicht hat.

Aktuell finden Gespräche mit der Industrie- und Handelskammer, Nürnberg für Mittelfranken statt um ein langfristiges Projekt auf den Weg zu bringen, das das Ziel hat, mehr Schüler für technische Berufe zu begeistern und zu qualifizieren.

 

2. BO-Konzept der Anton-Seitz-Mittelschule

Die Anton-Seitz-Mittelschule ist und versteht sich als allgemeinbildende Schule, die immer die Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit jedes einzelnen Schülers im Fokus hat. Die verlässliche Vermittlung von Grundtugenden und Kulturtechniken geht einher mit Erziehung und Charakterbildung. Unser Konzept zur individuellen, modularen Förderung wird im Sinne des Mittelschulkonzepts umgesetzt.

Die Berufsorientierung und mit ihr ein erfolgreicher Übergang von der Schule in die Arbeitswelt ist aber letztendlich ein absolut unverzichtbarer Teil der schulischen Arbeit. Das BO-Konzept unserer Schule berücksichtigt dabei besonders Aspekte, die sich durch die Weiterentwicklung der Haupt- zur Mittelschule ergeben haben.

Zum Mittelschulkonzept gehört es, eines der Profilfächer Technik, Wirtschaft oder Soziales ab der 8. Klasse vierstündig und damit vertieft zu belegen. Es ist aber wichtig, darauf zu achten, dass die Schüler Entscheidungshilfen bekommen, so dass sie die Fächerwahl passend zu ihren persönlichen Stärken und Fähigkeiten treffen können. Geeignete BO-Maßnahmen müssen deshalb bereits ab der sechsten und siebten Jahrgangsstufe angeboten werden.

Eine besondere Bedeutung im BO-Prozess kommt den Praktika zu. Gegen eine bloße Erhöhung der Anzahl der Praktikumswochen spricht aber, dass dies die Ausbildungsbetriebe schnell an Kapazitätsgrenzen bringen würde und ggf. weitere Praktika in der Schulzeit auch zu Lasten des regulären Unterrichts gehen würden.

Da gerade unsere Mittelschüler häufig über ihre Leistungen in den Betriebspraktika einen Ausbildungsplatz zugesagt bekommen, darf in diesen wertvollen Wochen nicht einfach nur „herumprobiert“ werden. Angestrebt werden müssen „zielorientierte Praktika“. D.h. das Praktikum wird in einem potentiellen Ausbildungsbetrieb abgeleistet und der Schüler sollte sowohl Fähigkeiten als auch Interesse für das jeweilige Berufsfeld haben. Es müssen also bereits vor den eigentlichen Betriebspraktika Möglichkeiten geschaffen werden, die eine Voraborientierung erlauben.

 

2.1 Überblick

Das BO-Konzept der Anton-Seitz-Mittelschule setzt sich aus zwei Komponenten zusammen. Einem BO-Fahrplan und einem Ausbildungsportfolio.

 

2.1.1 BO-Fahrplan

 In den BO-Fahrplan sind ab der 5. Klasse jeder Jahrgangsstufe altersadäquate Maßnahmen und Inhalte zugeordnet, die im Hinblick auf die Berufsorientierung durchgeführt werden. Dabei wird zwischen „Pflicht“ und „Kür“ unterschiedenen. Die Pflichtmaßnahmen wurden gemeinsam im Kollegium erarbeitet und sind für alle Klassen und Lehrkräfte verbindlich.

Die aufgeführten Kürmaßnahmen haben lediglich den Charakter von Anregungen und es bleibt der einzelnen Lehrkraft überlassen, ob sie sie mit ihren Schülern umsetzen möchte.

 

Bild 1

 

Die Seiten des BO-Fahrplanes zu den einzelnen Jahrgangsstufen sind immer nach dem nachfolgenden Schema aufgebaut.

(1)  Spalte: „Was ist zu tun?
Die jeweilige Maßnahme, das Einzelprojekt oder der Unterrichtsinhalt wird genannt. Ggf. sind Links zu Onlineangeboten direkt eingefügt.

(2)      Spalte: „Fach / Methode
Falls sinnvoll, wird ein Fach oder eine spezifische Unterrichtsmethode benannt, in dem/der der Inhalt vermittelt wird.

(3)  Spalte: „Material / Quelle
Die Dateinamen (z.B. WB-06) von zugehörigen Arbeitsmaterialien, Arbeitsblättern und Zertifikaten sind hier aufgeführt und können über den verknüpften Link direkt aufgerufen werden.

(4)  Spalte: „Ablage
Es wird angegeben, unter welcher Rubrik der Schüler z.B. das erhaltene Zertifikat in seinem Ausbildungsportfolio ablegen soll.

(5)  Spalte: „Verantwortlichkeit
Es ist angegeben, wer für die Umsetzung der Maßnahme verantwortlich ist.
(KL = Klassenlehrer, FL = Fachlehrer, SL = Schulleitung, EL = Eltern, … )

 

Bild 2

Der BO-Fahrplan ist als Hypertext gestaltet. Alle notwendigen Materialien sind ebenfalls als Worddateien erstellt und in einer Ordnerstruktur abgelegt. Durch einen Klick auf den jeweils blau hinterlegten Link, wird beispielsweise das Arbeitsblatt unmittelbar geöffnet, kann bei Bedarf auf die eigene Klasse hin angepasst, und dann sofort ausgedruckt werden.

Onlineangebote sind ebenfalls verlinkt und können dadurch, beispielweise zur Vorbereitung, sofort aufgerufen werden, wenn der Rechner über einen Internetzugang verfügt.

Der gesamte BO-Fahrplan mit allen zugehörigen Dokumenten steht im Intraweb der Schule zur Verfügung und wird dort zentral verwaltet und aktualisiert. Alle Lehrkräfte der Anton-Seitz-Schule haben für die häusliche Vor- und Nachbereitung eine CD erhalten, auf der der BO-Fahrplan mit allen zugehörigen Dokumenten abgelegt ist. (Es sei darauf hingewiesen, dass die Hypertextfunktionen auf den nachfolgenden Seiten des Wettbewerbsbeitrages nur bedingt funktionieren, da die Daten-CD und die auf ihr abgelegten zugehörigen Dokumente nicht verfügbar sind.)

 

2.1.2. Ausbildungsportfolio

Der Berufsorientierungsprozess beginnt an der Anton-Seitz-Mittelschule ab der fünften Jahrgangsstufe und ist langfristig, systematisch und gestuft angelegt. Bei einem langfristigen Prozess muss aber gewährleistet werden, dass alle bis zur Abschlussklasse erworbenen, wichtigen  Dokumente, Bestätigungen, Zertifikate usw. bei der Bewerbung zur Verfügung stehen.
Ausbildungsportfolio

Deshalb erhalten alle Schüler bei Eintritt in die 5. Klasse ein Ausbildungsportfolio. Dieses besteht aus einem stabilen A4 Ordner,
ist sauber mit dem Namen des Schülers beschriftet und enthält fünf Register und einige Klarsichthüllen.

Es wurde bewusst darauf verzichtet, einen Sponsor für die Portfolioordner zu finden. Stattdessen erwirbt jeder Schüler sein Portfolio zu einem Preis von 3,00 €. Da es sich so um sein Eigentum handelt, sollte eine höhere Wertschätzung und sorgsamerer Gebrauch gegeben sein. Auch ist es dadurch selbstverständlich, dass Schüler ihr Portfolio bei einem anstehenden Schulwechsel mitnehmen können.

Die Portfolioordner verbleiben, auch in den Ferien, im jeweiligen Klassenzimmer. So kann die Lehrkraft die Schüler bei der Arbeit mit dem Portfolio unterstützen, um beispielsweise
für eine verlässliche und einheitliche Ablage der Dokumente zu sorgen.

Da das Ausbildungsportfolio seit zwei Jahren an der Anton-Seitz-Schule geführt wird, gibt es bereits positive Rückmeldungen, beispielsweise vom Rother Senioren-Team, welches unsere Schüler mit einer Vielzahl von Angeboten im Bewerbungsprozess unterstützt. Dadurch, dass alle relevanten Dokumente und damit auch relevanten Daten für das Coaching zur Verfügung stehen, lassen sich die Bewerbungen sehr individuell gestalten und bei Bedarf auch mit verlässlichen Daten und Dokumenten (Kopien) ergänzen.

Es sei darauf hingewiesen, dass sich das Kollegium der Anton-Seitz-Schule bewusst dafür entschied, kein fertiges Portfolio, z.B. von einem Verlag, zu kaufen. Sowohl Layout, als auch Inhalt unseres Ausbildungsportfolios sind selbst gestaltet und zusammengestellt. Frau Hufnagel, bis 2009/10 noch Konrektorin an unserer Schule, hat dazu viel Wissen und Sachverstand aus ihrer Tätigkeit als AWT-Expertin in unser Kollegium eingebracht.

Inhalt und Aufbau des Ausbildungsportfolios wird bei Bedarf von zwei Kolleginnen aktualisiert und überarbeitet. Frau Dingfelder und Frau Sonnleithner-Rapke multiplizieren den aktuellen Stand des Portfolios in regelmäßigen Abständen in SchiLf-Veranstaltungen. Wenn neue Lehrkräfte an die Schule kommen, machen sie diese mit dem Gesamtkonzept vertraut.

 

3. Die einzelnen Jahrgangsstufen im Berufswahlfahrplan

 

3.1 Berufswahlfahrplan der 5. Jahrgangsstufe Pflicht / Kür

Die Schüler kommen in eine neue Klasse, oft sogar in eine andere Schule und es geht zunächst darum, sich in der neuen Umgebung zurecht zu finden. Man stellt sich mit einem Steckbrief vor, dabei bietet sich bereits die Gelegenheit über die eigenen Stärken nachzudenken und sich dieser auch bewusst zu werden.

Wahrscheinlich mussten die Schüler in der vorausgehenden Grundschulzeit erleben, dass es ihnen nicht immer gelang, den schulischen Anforderungen gerecht zu werden. Im Hinblick auf die verlässliche Vermittlung der grundlegenden Kulturtechniken (Lesen - Schreiben - Rechnen) sollten deshalb die Lernstrategien jedes einzelnen Schülers überprüft, ggf. ergänzt oder bei Bedarf auch neu eingeschult werden. Dabei kommt der individuellen, modularen Förderung, im Sinne des Mittelschulkonzepts, eine besondere Bedeutung zu.

In der 5. Jahrgangsstufe haben die Schüler erstmals das Fach Arbeit-Wirtschaft-Technik (AWT). AWT hat den Charakter eines Leitfaches für den Fächerkanon der Mittelschule. Es vertritt auf dem Niveau eines eigenen Unterrichtsfaches das Alleinstellungsmerkmal „Berufsorientierung“ für die Mittelschule. Beim Erarbeiten der Berufsbilder an der Schule werden grundlegende Methoden und Begriffe der Arbeitsplatzerkundung vermittelt, die den Schüler in den folgenden Jahren immer wieder im Hinblick auf seinen BO-Prozess begleiten.

In der 5. Jahrgangsstufe ist für die meisten Schüler das Thema Berufswahl noch in weiter Ferne. Trotzdem erhalten sie alle mit ihrem Eintritt in die Anton-Seitz-Schule unser Ausbildungsportfolio. Sein Sinn und sein Aufbau werden in der Klasse besprochen.

Dies ist auch ein deutliches Signal an die Eltern, denn sicherlich machen sich viele von Ihnen Sorgen, ob ihr Kind nach der Schulzeit eine Ausbildungsstelle und damit letztendlich einen Platz im Leben bekommt. Wichtig ist in dieser Situation, dass sie über ihr Kind erleben und an einem Elterninformationsabend (z.B. „Bildungswege über die Mittelschule“) erfahren, dass der individuelle Weg in den Beruf ein wesentlicher Faktor der schulischen Arbeit an der Anton-Seitz-Mittelschule ist.

 

3.2 Berufswahlfahrplan der 6. Jahrgangsstufe Pflicht / Kür

In der 6. Jahrgangsstufe werden im Sinne des Spiralprinzips Methoden der Arbeitsplatzerkundung vertieft und über die Schule hinaus auf Berufsbilder im häuslichen Umfeld der Schüler angewandt. Bei der Auseinandersetzung mit Berufsbildern in der eignen Familie könnten Vater oder Mutter ihren Sohn bzw. Tochter auch einmal einen Tag mit in die Arbeit nehmen. Da hierfür aber eine Reihe von Rahmenbedin-gungen notwendig sind, die nicht immer gegeben sind, ist das Elternpraktikum bewusst in der Kür eingeordnet. Unter „Kür“ findet sich ebenfalls der Girls- / Boys-Day. Falls es für Sechstklässler passende Angebote gibt, sollten sie jedoch unbedingt daran teilnehmen.

Im Hinblick auf die Vermittlung von gesicherten Kulturtechniken muss weiter an den Lernstrategien gearbeitet werden. Da nach der 6. Klasse ggf. der Wechsel in den M-Zug oder an die Wirtschaftsschule ansteht, bietet es sich an, im Rahmen der individuellen Förderung mit dem Schüler, natürlich auch unter Einbeziehung der Eltern, Lernvereinbarungen zu treffen, die sich an den gesteckten Zielen orientieren. Der Wechsel an eine andere Schule oder der bewusst gewählte Verbleib an der Mittelschule ab der 7. Jahrgangsstufe muss in der 6. Jahrgangsstufe durch eine Reihe von Informationsmöglichkeiten und Beratungsangeboten vorbereitet werden. Einzelgespräche mit dem Klassenlehrer, dem Beratungslehrer und thematische Elternabende werden deshalb angeboten und sollten von den Eltern auch genutzt werden. Wichtig ist es, dass an diesen Elternabenden nicht nur Lehrkräfte anwesend sind, sondern auch Vertreter von regionalen Betrieben. Als Beispiel sei hier unser Elternabend „Bildungswege über die Mittelschule“ im Januar 2010 genannt. Einer der Referenten dieses Abends war Herr Alexander Gräf, Personalchef der Firma LEONI und er erläuterte unter anderem, dass LEONI einen Reihe von Ausbildungsplätzen hat, die das Unternehmen bewusst mit Mittelschülern besetzt.

Die Mitgliedschaft in Vereinenist sowohl für die Entwicklung der Persönlichkeit als auch bei der Ausprägung von Grundtugenden sehr wichtig. Deshalb sollte die Schule immer wieder die Gelegenheit bieten, die Angebote der regionalen Vereine kennen zu lernen. Da eine langfristige Vereinsmitgliedschaft bei einer Bewerbung ein Pluspunkt ist, erhalten unsere Schüler jährlich ein Formular, auf dem sie sich ihr Engagement bestätigen lassen können. Es wird im Ausbildungsportfolio abgelegt und man hat so für die Bewerbung, beispielsweise über die Dauer der Vereinszugehörigkeit, verlässliche Daten.

 

3.3 Berufswahlfahrplan der 7. Jahrgangsstufe Pflicht / Kür

In der siebten Jahrgangsstufe haben unsere Schüler erstmals die Fächer Technik, Wirtschaft und Soziales. Der Unterricht ist in Praxistagen organisiert und so können fachspezifische Arbeitsplatzerkundungen von den jeweiligen Fachlehrkräften organisiert und durchgeführt werden. Für die Vor- und Nachbereitung werden die Schüler mit den Möglichkeiten der Internetplattform „www.planet-beruf.de“ vertraut gemacht. Als Weiterführung und Ergänzung organisieren die Klassenlehrkräfte mindestens eine Betriebserkundung im Rahmen des AWT-Unterrichts.

Wie bereits erwähnt, müssen sich die Schüler ab der achten Jahrgangsstufe für eines der drei Profilfächer Technik, Wirtschaft oder Soziales entscheiden. Die dadurch im Mittelschulkonzept angestrebte Verbesserung der Ausbildungsreife kann aber nur dann erreicht werden, wenn das gewählte Profilfach zu dem Berufsfeld des zukünftigen Ausbildungsberufes passt. Deshalb sind frühzeitig BO-Maßnahmen zu ergreifen, die die Fächerwahl unterstützen. Da die Schüler in der 7. Klasse in aller Regel noch zu jung für Praktika in der Wirtschaft sind, müssen andere BO-Maßnahmen durchgeführt werden.

Hier können von der Schule initiierte Projekte zur vertieften Berufsorientierung, wie beispielsweise unsere Projekte „Fahrradständer – Holztechnik“ oder „Grüne Berufe – Landschaftsgärtner“ Möglichkeiten bieten, das Interesse für bestimmte Berufsfelder zu wecken.

Als besonders effektiv hat sich die Zusammenarbeit mit der Berufsschule Roth erwiesen. Seit mehreren Jahren wird einBerufsorientierungstag für Haupt-/Mittelschüler durchgeführt. Die Mittelschüler der 7. Jahrgangsstufe aus dem gesamten Schulamtsbezirk können aus ca. 20. Berufsfeldern an einem Vormittag drei Workshops auswählen. Die Workshops finden in den Fachwerkstätten der Berufsschule Roth statt und werden von den dortigen Fachlehrern und ihren Berufsschülern betreut. Bei der Vor- und Nachbereitung dieser Veranstaltung im AWT- und TE/WI/SO-Unterricht wird die Wahl des Profilfaches explizit thematisiert.

Wie bereits unter dem Punkt 1.5.2 erwähnt, können unsere Schüler BO-Maßnahmen an der Berufsschule Roth zu den dort angebotenen Berufsfeldern (Bautechnik, Holztechnik, Farbtechnik, Elektrotechnik, Metalltechnik, Anlagenmechaniker, KFZ-Mechatroniker, Körperpflege/Frisör, Hauswirtschaft …) besuchen die aus jeweils drei Nachmittagen mit je vier Stunden bestehen. Diese Form der Kooperation ist nur möglich, weil zwischen der Berufs- und Mittelschule acht Lehrerstunden ausgetauscht werden. Leider reichen diese Stunden nicht aus, um das Angebot auf alle Schulen des Schulamtsbezirks auszudehnen.

Diese BO-Maßnahme ist für unsere Schüler in der 7. Jahrgangsstufe sehr wertvoll weil sie dabei realitätsnahe und berufsfeldtypische Räume, Maschinen und Arbeits-aufgaben erleben. Dadurch müssen sie die anstehende Wahl eines Profilfaches ab der 8. Klasse nicht nur aufgrund von Erfahrungen im TE/WI/SO-Unterricht treffen.

Eine weitere Möglichkeit für unsere Siebtklässler mit der realen Arbeitswelt in Kontakt zu kommen ist der, für die Region Roth-Schwabach erstmals im Oktober 2010 durchgeführte, Berufeparcours. Dieser wurde von der HERMANN GUTMANN STIFTUNG in Zusammenarbeit mit dem Technikzentrum Minden-Lübbecke und der Anton-Seitz-Mittelschule im Rahmen des MAP-Projektes organisiert.

Die Schüler konnten bei dieser Veranstaltung einen Erstkontakt mit potentiellen Ausbildungsbetrieben herstellen und es gab eigentlich an jeder Station ein Angebot, das es erlaubte, eine berufstypische Tätigkeit zumindest elementar auszuprobieren. Wenn es gelingt, die Finanzierung über Mittel der Regierung von Mittelfranken, der Bundesagentur und der Hermann Gutmann Stiftung wieder sicherzustellen, werden derartige Veranstaltungen fest in die siebte Jahrgangsstufe integriert. Auch hier wurde in der Nachbereitung im AWT- und TE/WI/SO-Unterricht die anstehende Fächerwahl thematisiert.

Seit dem Schuljahr 2010/11 hat die Anton-Seitz-Mittelschule mit Frau Sandner eine Berufseinstiegsbegleiterin. Neben der intensiven und langfristigen Betreuung von einzelnen Schülern hat sie auch die Aufgabe eine Potenzialanalyse für alle Schüler der siebten Jahrgangsstufe durchzuführen. Diese bildet dann die Grundlage für weitere BO-Maßnahmen, so dass diese optimal an den individuellen Stärken eines jeden Schülers ausgerichtet werden können.

 

3.4 Berufswahlfahrplan der 8. Jahrgangsstufe Pflicht / Kür

In der 8. Jahrgangsstufe ist viel für die Berufsorientierung zu tun. Mit dem Berufs-Informations-Zentrum lernen die Schüler die Institution Arbeitsagentur auch räumlich kennen. Der Umgang und die Nutzung der Internetplattform „www.planet-berufe.de“ wird vertieft und der Kontakt zum Berufsberater (Herr Gruber, BA Weißenburg) weiter intensiviert.

Ausbilder und Auszubildende sollen im Rahmen des TE/WI/SO- Unterrichts als Experten in die Klassen eingeladen werden, um über ihren Übergang Schule-Beruf und ihre Arbeit zu informieren. Die notwendigen Kontakte sind durch den Arbeitskreis SCHULEWIRTSCHAFT Roth-Schwabach bereit gestellt.

Ein online-Kompetenzcheck (z.B. IHK-Kompetenzscheck bzw. NZ-Talentcheck) hilft das Bewerbungsprofil jedes Schülers individuell zu schärfen und ihm seine Stärken und Schwächen durch eine Fremdeinschätzung bewusster zu machen.

In der achten Jahrgangsstufe sind drei einwöchige Betriebspraktika in drei verschiedenen Betrieben vorgesehen. Die Praktika sind für unsere Schüler sehr oft die „Türöffner“ in einen Ausbildungsbetrieb, denn dabei können sie ihre praktische Fähigkeiten und auch ihre Grundtugenden zeigen. Deshalb kommt es darauf an, dass die Praktikumsstellen zielorientiert ausgewählt werden. D. h. durch die vorausgehenden BO-Maßnahmen sollte die individuelle Berufsperspektive so weit gereift sein, dass das Praktikum in einem potentiellen Ausbildungsbetrieb geleistet wird. Auch hier hat der Arbeitskreis SCHULEWIRTSCHAFT Roth-Schwabach wieder eine wichtige Brückenbauerfunktion übernommen, in dem er den Schulen eine aktuelle Liste mit regionalen Betrieben zusammengestellt hat, die insgesamt ca. 450 Praktikumsplätze anbieten.

Wenn dann die Praktika in den Betrieben noch durch profilspezifische Praxisblöcke(3 Nachmittage zu je 4 Stunden) an der Berufsschule Roth ergänzt werden, hatte der Schüler die Gelegenheit, die beiden Bereiche, Betrieb und Berufsschule, seiner angestrebten dualen Ausbildung kennen zu lernen.

Da am Ende der achten Klasse bereits für manche Ausbildungsplätze die Bewerbungen abgeschickt müssen, erfahren die Schüler in der Schule und vom Seniorenteam - Roth Anleitungen und Hilfestellungen für die Ausformulierung individualisierter Bewerbungsunterlagen.

 

3.5 Berufswahlfahrplan der 9. Jahrgangsstufe Pflicht / Kür

Relativ am Anfang des letzten Schuljahres sollten die Schüler noch ein zielorientiertes Praktikum machen. Im Idealfall in dem Ausbildungsbetrieb, in dem sie sich bewerben möchten. Denn durch diesen persönlichen Kontakt, relativ zeitnah zur schriftlichen Bewerbung, können die Schüler ihre Chancen im Auswahlverfahren erhöhen.

In Einzelgesprächen mit dem Berufsberater, Herrn Gruber, BA – Weißenburg werden die Schüler über offene Ausbildungsstellen informiert und die persönlichen Wunschvorstellungen mit den realen Ausbildungsmöglichkeiten möglichst optimal in Einklang gebracht. Dadurch, dass die Gespräche je nach Bedarf mehrfach wiederholt werden und in der Schule stattfinden, kann gewährleistet werden, dass alle unsere Schüler dieses sehr wertvolle Beratungsangebot nutzen.

Im Deutsch- und AWT-Unterricht werden Inhalt, Aufbau und äußere Form des Bewerbungsschreibens behandelt und eine mustergültige Vorlage erstellt.

Wenn die Eltern keine ausreichende Hilfestellung bei der endgültigen Erstellung der Bewerbung geben können, bietet das Seniorenteam – Roth um Herrn Gieritz Hilfestellungen an. Unsere Schüler können mit ihrem Ausbildungsportfolio, das sie ab der 5. Jahrgangsstufe führen, in die Beratung kommen und ein Senior-Coach erstellt aufgrund der abgelegten Bestätigungen und Zertifikate zusammen mit dem Schüler, eine vollständige, individualisierte Bewerbungsmappe. Ggf. erhalten die Schüler auch noch Tipps für das Bewerbungsgespräch und können sich in Rollenspielen darauf vorbereiten.

Um noch Unentschlossene bei der Entscheidung für einen Ausbildungsberuf zu gewinnen bietet es sich an, „Experten“ (Meister, Ausbilder, Azubis, …) in die Schulen zu holen. Neben der Darstellung des Ausbildungsverlaufs sind auch Hinweise zu den Bewerbungsmodalitäten von besonderem Interesse für unsere Schüler.

Die Klassenlehrer sind dahingehend gefordert, dass sie in einer „Wer hat schon was - Statistik“ erfassen, welche Schüler noch keinen Ausbildungsplatz haben. Es muss verhindert werden, dass Schüler die bewerbungsrelevante Zeit ungenutzt verstrei-chen lassen. Ggf. müssen geeignete Beratungs- und Hilfsangebot über die Klassenlehrkraft oder die Berufseinstiegsbegleiterin veranlasst werden.

 

 

3.6 Berufswahlfahrplan der 10. Jahrgangsstufe Pflicht / Kür

Die Überlegungen der 9. Jahrgangsstufe gelten analog für die 10. Jahrgangsstufe, da diese für die M-Schüler die Abschlussklasse ist. Darüber hinaus sind ggf. für Schüler die an die FOS wechseln wollen Termine zu beachten, um sich beispielweise für die Vorkurse anzumelden.

 

4 Inhalt des Ausbildungsportfolios

4.1 Intention

In unserem Ausbildungsportfolio werden von der 5. bis zur 9. (10.) Klasse alle Bescheinigungen, Zertifikate usw. gesammelt, die für eine Bewerbung relevant sein können. Bei der Erstellung der Bewerbungsunterlagen stehen so in einer Mappe verlässlich abgelegte Dokumente zur Verfügung, die alle relevanten Informationen enthalten.

Entsprechend dieser Funktion ist das Ausbildungsportfolio nicht wie der BO-Fahrplan nach einzelnen Jahrgangsstufen gegliedert, sondern es enthält ein thematisches Register mit fünf inhaltlichen Schwerpunkten. Zusätzlich finden sich auf den Registerseiten Beispiele und Anregungen für Dokumente, die in dem jeweiligen Register abzulegen sind.


4.2 Die Rubriken mit Auflistung und einzelnen Beispielen

(1)  Meine Stärken und Interessen
Umgangsformen; Zukunftswerkstatt; Selbsteinschätzung; Soft-Skills; Technik Rallye; Kurse, Schullaufbahnberatung; Fremdeinschätzung; Arbeitsgemeinschaften; Typberatung; Kompetenzcheck; Grundtugenden; …

 

Meine Stärken

(2)  Mein Weg in den Beruf
Beispiele und Anregungen: Praktikum; Tag der offenen Tür; Berufsschule; Arbeitsplatzerkundung; BIZ; Arbeitsagentur; Informationen über Berufe; Berufemarkt; Technik – Wirtschaft – Soziales; Projekte; Betriebserkundung; Girls Day; Berufsberater, Experteninterview; Praxistage; …

Mein Weg

(3)  Richtig bewerben
Beispiele und Anregungen: Stellenangebote; Vorstellungsgespräch; Gruppengespräch; Bewerbungstipps; Lebenslauf; Eignungstest; Bewerbungsanschreiben; Coaching; Bewerbungstraining; Musterschreiben; Seniorenteam = Job-Coach; …

Richtig bewerben

(4)  Bescheinigungen
Beispiele und Anregungen: Schülerfirma; Neben- bzw. Ferienjob; Übungsleiter; Zeugniskopien; Klassensprecher; Praktikumsbestätigungen; Vereinsmitgliedschaft; Streitschlichter; Demonstrationswerkstück; Ehrenämter; EDV-Kenntnisse; Schülerlotsen; Zertifikate; …

Bescheinigungen

(5)  Sonstiges
Beispiele und Anregungen: Termine; Magazine; Internetadressen; Firmenadressen; …

Sonstiges

 

5. Implementation / Evaluation / Weiterentwicklung

Das Kollegium der Anton-Seitz-Mittelschule hat den BO-Fahrplan und das Ausbildungsportfolio gemeinsam in einem Schulentwicklungspress konzipiert und erstellt, der ca. ein Jahr dauerte. In dieser Zeit fanden eine Vielzahl von Sitzungen des Gesamtkollegiums und der Steuergruppe statt, in denen erprobte best-practice-Beispiele vorgestellt, diskutiert und dann ggf. in das BO-Gesamtkonzept aufgenommen wurden. Über die externe Begleitung im Rahmen des MAP-Projekts und dem ständigen Abgleich mit dem Arbeitskreis SCHULEWIRTSCHAFT Roth-Schwabach wurde und wird sichergestellt, dass auch die Schnittstellen in den außerschulischen Bereich gegeben sind.

Ob sich unser BO-Konzept und unser Ausbildungsportfolio tatsächlich bewährt, lässt sich zunächst an den Rückmeldungen aller beteiligen Personen und Institutionen erfassen. Die beiden Kolleginnen, die für die Weiterentwicklung unseres BO-Konzepts verantwortlich sind, sammeln dieses Feedback und stellen es in den Sitzungen der Steuergruppe in regelmäßigem Turnus zur Diskussion. Ggf. werden dann vorhandene Elemente modifiziert oder neu aufgenommen.

Alle

Letztendlich muss sich aber unser BO-Konzept an der Statistik orientieren, in der erfasst wird, wie viele unserer Abschlussschüler einen Ausbildungsplatz erhalten oder an eine weiterführende Schule wechseln. Erklärtes Ziel ist es den Anteil der Schüler, denen dieser Schritt ins Leben gelingt, signifikant von aktuell 70 % deutlich zu steigern, so dass gilt: Kein Schüler ohne Anschluss nach dem Abschluss!